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Arbeitsbereiche

Auf Wiedersehen und Danke!

Es ist vorbei! Auf Wiedersehen und Danke!

Sehr geehrte Damen und Herren / Liebe Alle,

zum 31.12.2020 endete das Integrationsprojekt beim Jugendring Oberlausitz e.V..

Auch wenn aufgrund der aktuellen Situation keine großen Verabschiedungen oder Rück- und Ausblicksveranstaltungen stattfinden konnten, möchten wir die Gelegenheit nutzen und doch noch ein paar Worte loswerden.

Nicht alle haben die Anfänge miterlebt, daher folgt zuerst ein fast kurzer Abriss…

Jens Zschernig und Saskia Kroll-Lorenscheit entwarfen 2015 die Idee eines interkulturellen Begegnungsortes in Niesky. Ausgangspunkt waren die zwei zu der Zeit bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte und die fehlenden Begegnungsorte (das Deutschcafé ist hier natürlich ausgenommen) zur Freizeitgestaltung in der Stadt Niesky.

Aufgrund auslaufender Fördermittel für eine offene Angebotsstruktur im Jugendzentrum H.O.L.Z. bot sich hier eine gute Möglichkeit: durch die Umsetzung eines integrativen Angebots im Frühling 2016 konnte nicht nur ein Angebot für geflüchtete Menschen geschaffen werden – auch die „Einheimischen“ wurden mit bedacht und angesprochen.

Zu jeder Zeit machten die Menschen aus anderen Ländern immer den größeren Anteil unter den Besuchenden aus.

Der offene interkulturelle Treff war ein Erfolg: Kennenlernen, Tee oder Kaffee trinken, Spielen, Gestalten, Basteln, Sport, Musizieren, Feiern, Kochen, Lachen und Lernen – all dies passierte. Nicht wir gaben die Angebotsstruktur vor, sie ergab sich aus den Wünschen der Besuchenden. Es gab Nachmittage, an denen wir über 50 Menschen willkommen heißen durften.

Schon in diesem ersten Jahr wurde jedoch deutlich, dass die Menschen, die uns besuchten, mehr brauchten: Aufklärung über das Leben in Deutschland und die Asylgesetzgebung so wie die Verfahrensweisen, Informationen über andere Kulturen und Religionen, Unterstützung beim Umgang mit Traumatisierungen und traumatisierten Menschen, Entlastung und Unterstützung ehrenamtlich Tätige*r, Ergründen des deutschen Behördendschungels, Beratung und….

Und so veränderte sich das Projekt: der offene interkulturelle Treff als Baustein blieb erhalten, es kamen Beratungsangebote, Netzwerke, Qualifizierungs- und Informationsveranstaltungen hinzu sowie die Koordinierung von Angeboten und Engagement.

Und weil wir natürlich auch neu in dem Arbeitsfeld waren, ebenso viel persönliche Weiterbildung in einigen Bereichen.

Mit der Schließung der Gemeinschaftsunterkunft auf der Klenkestraße verloren wir zwar einen großen Teil unserer Zielgruppe, konnten jedoch Michael Popp als weiteren Mitarbeiter mit bereits einiger Erfahrung für das Projekt gewinnen.

Immer wieder kamen neue Aufgaben hinzu: die Beratung von Menschen aus dem Ausland ohne Fluchterfahrung, die Mitarbeit am Integrationskonzept für den Landkreis Görlitz, die Auseinandersetzung mit veränderten Strukturen, neuen Gesetzgebungen und Wechseln von Personen an hauptamtlichen Stellen, die Unterstützung der dezentralen Betreuung in Niesky und daneben immer wieder das, was an einem Projekt so dranhängt: Anträge, Abrechnungen, Berichte, Eigenmittelakquise, Nacharbeiten, Dokumentation, Neubeantragung…

Gefördert wurde das Projekt während der gesamten Laufzeit über die Richtlinie der „Integrativen Maßnahmen“ Sachsens. Aufgrund der ständigen Überzeichnung dieser Richtlinie kam es immer wieder zu Lücken in der Förderung sowie zu jährlichen Kürzungen.

So sahen wir uns wiederholt unfreiwilligen Projektpausen gegenüber.

Die Jahre 2018, 2019 und 2020 waren zwar als dreijähriges Projekt konzipiert und gefördert worden, jedoch kam es auch hier zu Unterbrechungen und Kürzungen.

2020 war das Jahr des Projektabschlusses. Es war klar, dass es zum Jahr 2021 Veränderungen geben würde – dass ein „Weitermachen wie bisher“ nicht möglich sein würde. Dies begründete sich aus der Förderpolitik für Projekte (Innovation als wesentlicher Baustein – nicht Strukturerhalt), der Problematik 10% Eigenmittel zu generieren sowie der fehlenden persönlichen Sicherheiten für uns als Mitarbeitende.

Mit einer Pandemie rechnete bei der Planung natürlich keiner und niemand hätte gedacht, dass ausgerechnet die Pandemie zeigen würde, welche Wirkung das Projekt entfalten konnte.

Das Leitziel unseres Projektes lautet seit der ersten Antragsskizze 2015: „Die Menschen mit und ohne Migrationshintergrund* in Niesky gehen human miteinander um und sind zu einer Gesamtgesellschaft verwachsen.“

Ja, ja – das klingt sehr hoch gegriffen. Aber werden die Menschen betrachtet die Teil des Projekts und im Frühjahr 2020 in Niesky waren, zeigt sich Folgendes:

Ständig erreichten uns Anfragen von geflüchteten Menschen, ob und wie eine Hilfe für Deutschland von ihnen möglich wäre. Deutsche wiederum überlegten sich rasant, wie und womit die geflüchteten Menschen in den GU´s und Wohnungen zu unterstützen seien könnten und setzten diese Ideen in die Tat um. Als Mund-Nasen-Schutz-Masken kaum zu bekommen und „Gummilitzen“ reines Gold waren, wurden mit Unterstützung circa 150 Masken genäht und kostenfrei verteilt – an Alle, die welche brauchten. Mit den ersten Lockerungen wurden schnell Formate geplant und umgesetzt, die zwischenmenschliche Begegnungen ermöglichten, für geflüchtete Kinder wurde eine Homeschoolinghilfe installiert, die Liste ließe sich noch lange fortschreiben, der Grundton jedoch blieb ein „Zusammen“.

Wir sind überzeugt, dass dies keinem pandemischen Aktionismus zuzuschreiben ist. Für uns ist das Ausdruck von dem, was wir gemeinsam geschafft haben.

Erste Anzeichen von dem Willen zum Projekt ließen sich übrigens schon nach dem ersten Jahr ausmachen: die Förderung wurde abgelehnt und schnell sammelten die Nieskyer*innen mehrere Hundert Unterschriften, um dagegen zu protestieren.

Die Menschen in Niesky haben das Projekt angenommen, gestaltet und es zu dem ihren gemacht.

Darauf sind wir stolz.

Eine Weiterführung mit weniger Hauptamt (weil das immer der teuerste Posten war und dort dementsprechend zu sparen wäre) und weniger Zeit oder dem Wegfall einzelner – bewährter – Bausteine wäre nicht richtig gewesen, weshalb wir uns in Team und Verein schon im Mai dafür entschieden haben, das Projekt auslaufen zu lassen. Zudem ist die Erbringung von Eigenmitteln in solchen Höhen für einen Verein wie den Jugendring Oberlausitz e.V. und mit unserer Zielgruppe schwer umzusetzen und kann existenzbedrohend sein.

Wir sind dankbar für die 5 Jahre, für Alle, die mit uns gemeinsam arbeiten, lernen und erleben wollten.

Und wir sind sicher, dass das Meiste des Erlernten die Laufzeit eines Projektes überdauern und langfristig in der Stadt Niesky wirken wird.

Für das Jahr 2021 wünschen wir allen Gesundheit, Spannung, Frieden, Neugier und Freude.

Was kommt? Wir werden sehen!

Mit den besten Wünschen

Saskia Kroll-Lorenscheit, Jens Zschernig und Michael Popp


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